Was ist Philosophie?

Der Begriff Philosophie stammt aus dem Griechischen und bezeichnet die Liebe zur Weisheit. Die verblüffend einfache Antwort auf die Frage, worin denn die philosophische Weisheit bestehe, lautet: In der Kunst des Hinterfragens. Der Philosoph hinterfragt grundsätzlich alles oder – mit anderen Worten ausgedrückt – er philosophiert über alles: Über den Menschen, über naturwissenschaftliche und technische Probleme, über soziale und gesellschaftliche Fragen, über die Frage nach dem Sinn des Lebens und auch über die Kunst.

Derjenige jedoch, der letzte Antworten von der Philosophie erwartet, wird enttäuscht. Die Philosophie systematisiert den Vorgang des Fragens und Antwortens mit dem Ziel, zwischen sicherem und unsicherem Wissen unterscheiden zu können.

Wer im Philosophieunterricht ein lockeres Gespräch über Probleme verschiedenster Art erwartet, sollte dieses Fach lieber nicht wählen. Sowohl die Tätigkeit des Philosophierens als auch die Gegenstände des Faches erfordern die Bereitschaft, sich inhaltliche und methodische Fähigkeiten zu erarbeiten. Es geht im Unterricht um eine repräsentative Auswahl aus den Inhalten der Philosophiegeschichte und der Systematik des Faches. Die methodischen Fähigkeiten beziehen sich in erster Linie auf den Umgang mit Texten. Darunter fallen (ähnlich wie im Fach Deutsch): eine Gliederung erstellen, Fachbegriffe im Kontext klären, Texte vergleichen und beurteilen etc.

Der Unterricht versucht, eine sinnvolle Verbindung zwischen der Tätigkeit des Philosophierens und der erforderlichen Textarbeit herzustellen. Ein Text von Immanuel Kant wird z.B. nicht gelesen, weil er von einem berühmten Philosophen stammt, sondern weil er Antworten auf philosophische Fragen – wie etwa „Darf ich lügen?“ oder „Wo liegen die Grenzen unseres Wissens?“ gibt, die in ihren Konsequenzen diskussionswürdig sind.

Die Themen der Philosophiekurse der Oberstufe sind nach Halbjahren verbindlich festgelegt: Einführung in das Fach, Anthropologie (Was ist der Mensch?), Ethik (Was soll ich tun? Nach welchen Kriterien soll ich handeln und wie sind diese Kriterien zu begründen?), Staatsphilosophie (Welches ist der beste Staat? Wie ist der Rechtsstaat zu legitimieren? Warum gründen wir überhaupt Staaten?), Erkenntnistheorie (Was kann ich wissen?  Welches sind die Kriterien der Wahrheit?  Gibt es überhaupt sicheres Wissen? etc.), Ästhetik (Fragen im Zusammenhang der Kunst und Literatur, z.B.: Welche Funktion erfüllt Kunst?  Was empfinden wir als schön?  Wie wirkt Kunst?) Wie die Themen der Qualifikationsphase inhaltlich gefüllt werden, hängt größtenteils von den Vorgaben im Rahmen des Zentralabiturs ab.

Jetzt solltet ihr – in Anlehnung an den berühmten Ausspruchs des Sokrates – wissen, was ihr nicht wisst. Um auch dieses noch zu erfahren, habt keine Scheu nachzufragen.

Dr. Annette Brosch
April 2011