Am Dienstagabend fand unsere politische Diskussion mit dem Grünen-Politiker und Abgeordneten des Europäischen Parlaments Sven Giegold statt. Trotz des Karnevalfiebers erschienen Schüler, Lehrer und Eltern zahlreich, insgesamt über 100 Zuhörer folgten der Debatte.

Bevor diese startete, wurde unserer Schulleiterin Frau Fahnenbruck durch Herrn Giegold nun auch offiziell die Urkunde als Botschafterschule des Europäischen Parlaments überreicht. In einer kurzen Ansprache betonte Sven Giegold die Wichtigkeit europäischer Integration für Frieden, Demokratie und Freiheit auf unserem Kontinent und ermunterte uns Schülerinnen und Schüler aktiv für diese europäische Idee einzustehen.

Die Debatte selbst drehte sich dann um das Thema Freiheit. Dafür hatte sich unsere „Ceci meets Europe“-Gruppe im Vorfeld mehrfach getroffen und das Thema aus einer ökologischen, einer wirtschaftlichen und einer sozialen Perspektive betrachtet. „Ist das Freiheit“, sich den Luxus komfortabler, aber viel Benzin verbrauchender Autos zu gönnen. „Ist das Freiheit“, am Wochenende mal schnell nach Mallorca zu fliegen? „Ist das Freiheit“, wenn Großkonzerne in manchen EU-Ländern kaum Steuern zahlen, anders als die „normalen“ europäischen Bürger? „Ist das Freiheit“, wenn wir Wohlstand, Grund- und Bürgerrechte fordern, gleichzeitig aber die Grenzen vor Hilfe suchenden Menschen schließen? Fünf Experten aus unserer Vorbereitungsgruppe leiteten in die Diskussion ein, indem sie jeweils ein kurzes Plädoyer hielten, so die Richtung des Abends vorgaben und Herrn Giegold mit unseren Fragen konfrontierten.

Sven Giegold, der den Schülern von Beginn an das „Du“ anbot, ging auf alle von den Schülern eingeworfenen Aspekte ein, wobei den größten Teil des Abends Fragen zur ökologischen Freiheit einnahmen. Das Thema wurde von zwei besonders engagierten Greenpeace-Aktivistinnen vertreten, aber auch die anderen Schüler nahmen an der Diskussion teil und so wechselten oder vermischten sich die Themen immer wieder, wodurch auch die Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Facetten von Freiheit deutlich wurden.

Die wechselnden Themen stellten für Herrn Giegold kein Problem dar, da er sich sehr vielseitig engagiert und zudem ein abgeschlossenes Studium in Wirtschaftswissenschaften besitzt. Dabei lieferte er immer wieder spannende Denkansätze und stellte interessante politische Positionen dar.

Herr Giegold, der sich für mehr Demokratie und weniger Lobbyismus in der EU ausspricht, forderte zudem mehr Tier- und Umweltschutz durch Markttransparenz. Er hält das ökologische Bewusstsein der Verbraucher für mehr als ausreichend und geht davon aus, dass sich durch transparente ökologische Siegel ein bewussteres Kaufverhalten erreichen lässt. Die Möglichkeit der Ökodiktatur, die passenderweise als Provokation zum Thema Freiheit in die Diskussion eingebracht wurde, lehnt er strikt ab, da er Zwang als kein sinnvolles Mittel zur ökologischen Wende sieht. Zwar gebe es kein Grundrecht auf den Besitz eines großen Autos, jedoch werde es schwierig werden, allein mit Verboten, die Menschen von einer nachhaltigen und gerechten Lebensweise zu überzeugen. Hoffnung setzte Giegold auf den technologischen Fortschritt, womit durch „grüne“ Technologie – erweitert um veränderte Verhaltensweisen – ein Leben in größtmöglicher Freiheit möglich sein könnte, das zugleich die Ressourcen unserer Erde schont. Gleichzeitig wandte er sich aber auch gegen unsoziale Folgen vermeintlicher Freiheit. Entschieden stellte er sich Steueroasen und Steuerhinterziehung entgegen und forderte ein gemeinsames Vorgehen der europäischen Politik, um Schlupflöcher zu schließen.

Nach knapp einer Stunde ließ der Moderator des Abends, ebenfalls ein Schüler, das Publikum in der Aula zu Wort kommen und Fragen stellen. Herr Giegold beantwortete alle Fragen mit Respekt und Verständnis für die jeweilige Meinung der Interessierten. Die Fragen wurden hauptsächlich von Schülern und Eltern gestellt, die ihre Fragen zum Teil auch an die Experten richteten, welche dann selber ihre Position darlegen konnten.

Nach etwa zwei Stunden endete der offizielle Teil des Abends. Obwohl ein Großteil der Gäste ging, blieb Herr Giegold, um mit den verbliebenden Interessierten noch bis 21 Uhr unbeantwortete Fragen zu klären.

Der Abend war für uns Schülerinnen und Schüler sehr informativ und wir bedanken uns bei Sven Giegold dafür, dass er sich die Zeit genommen hat mit uns zu reden.

Niklas Cavic, Jgst. Q2

Ist das Freiheit? – „Ceci meets Europe“ am 13.2.2018
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