„Die Physiker“ von Friedrich Dürrenmatt

„Das Drama „Die Physiker“ von Friedrich Dürrenmatt, erschienen 1962, handelt von den potentiellen Gefahren, Konsequenzen und der damit verbundenen Verantwortung der Wissenschaft.

Die Hauptfragen sind: Wohin führt der Fortschritt der Wissenschaft? Können und müssen Wissenschaftler für ihre Forschung Verantwortung übernehmen? Wenn ja, wie? Im Folgenden werde ich den vorliegenden Ausschnitt unter besonderer Beachtung der…“

Analysen schreiben. Schön und gut. Können wir. Machen wir oft.

Doch nun wurde uns die Möglichkeit geboten, unter der Leitung von Theaterpädagogin Birgit Günster, im Rahmen des Deutschunterrichts auch einmal eine andere Auseinandersetzung mit dem Drama „Die Physiker“ zu erfahren. Gemeinsam mit unserer Deutschlehrerin Frau Wildhirth verbrachten wir also über drei Wochen hinweg, drei Doppelstunden mit Birgit und „den Physikern“.

Wie stellt man sich einen solchen Theaterworkshop in der 10. Klasse vor? Ein wenig peinlich, doch irgendwie sehr nett und, wenn man sich darauf einlässt, durchaus amüsant!? Genau so war’s!

Was damit gemeint ist? Wir starteten unsere Treffen mit einem Klatschkreis. Das spricht für sich. Als wir dann wach und unsere Hemmschwelle ein Stück gesunken war, beschäftigten wir uns zunächst viel mit wesentlichen Aspekten des Theaterspielens: Auftreten, Ausstrahlung (Haltung, Mimik, Gestik), Status, das Zusammenwirken und das Verhältnis von Akteuren miteinander/zueinander und durch welche Mittel dieses zu veranschaulichen ist.

Hierbei wurde uns beispielsweise aufgetragen, durch den Raum zu gehen und verschiedene Haltungen einzunehmen (1. aufrecht und selbstbewusst, 2. gebückt und „unterwürfig“). Als Ziel dieser inszenierten Situation ließe sich wohl die bewusste Wahrnehmung und Erkenntnis dessen, welchen Einfluss und welche Wirkung die persönliche Haltung auf einen selbst und auch auf die Gegenspieler hat, beschreiben. Das bewusste Wahrnehmen der entstehenden Rollenverhältnisse, und unmittelbar damit verknüpft, aufkommende Emotionen, erwies sich als interessant.

Neben einigen impulshaften und non-verbalen Übungen, thematisierten wir natürlich auch die Bedeutung der Sprechhaltung. Zu zweit bekamen wir kurze Dialoge aus dem Drama und sollten versuchen, diese auf verschiedene Weisen durchzuspielen. Am Ende dieser Übung sollte natürlich auch jeder einmal präsentieren, womit wir dann wieder bei der herrlichen, durchaus natürlichen Peinlichkeit wären, ohne die ein Theaterworkshop kein echter Theaterworkshop wäre.

GruppenfotoSpäter befassten wir uns vor allem mit der Frage nach der Verantwortung der Wissenschaft und der Kritik am Fortschritt, zunehmenden Gefahren, welche Dürrenmatt beschreibt. Dabei nahmen wir zum Beispiel verschiedene Rollen ein und versuchten gemäß der uns auferlegten Rolle zu agieren und die Fragen zu behandeln.

Zum Abschluss besuchten wir Anfang April das Theaterstück im FFT Düsseldorf. Über das Theaterstück an sich zu berichten, finde ich schwierig, da doch die Wahrnehmung eines Theaterstücks viel zu subjektiv ist, als dass ich hier eine allgemeingültige Aussage treffen könnte. Jedoch war es sehr dynamisch und abwechslungsreich gestaltet. Ein Besuch lohnt sich.

Im Anschluss daran gab es noch eine Gesprächsrunde mit Regisseur, einigen Schauspielern und natürlich Birgit. Hierbei ergab sich die freie Interpretation verschiedener Inhalte und Bühnenrequisiten als Hauptthema. Wir sprachen über mögliche Interpretationsansätze und darüber, dass es viel um Impulse und stimmungsgebende Eindrücke geht, der Idee des Einzelnen also freier Lauf gelassen wird, jedoch auch nicht alles rational bestimmt werden muss oder kann. So diskutierten wir beispielsweise von der Decke herabhängende Holzkugeln, welche von dem einen als die Gehirne der Physiker, von dem anderen als verschiedene Welten/Planeten interpretiert wurden und von wieder anderen einfach als für sich wirkende Gegenstände des Stückes, ohne diese direkt zu betiteln. „Freigeister“!!!

Man kann sagen, dass rein die interaktive Beschäftigung mit der Thematik des Dramas bereichernd war. Eine Betrachtung dieser aus verschiedenen Perspektiven führt zu mehr Verständnis und wirkt letztendlich fördernd für die Bildung einer eigenen Meinung, eigener Fragen oder vielleicht Antworten. Wenn sich nun 90 Schüler auf irgendeine Weise mit der Schullektüre auseinandersetzen, scheint das „Ziel“ doch erreicht.

Nele Maaßen, EF

Theaterworkshop und anschließender Theaterbesuch
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